Bewegung & Verhalten

NREM-Parasomnien (Schlafwandeln & Co.)

Zwischen Wachen und Schlafen: Phänomene aus dem Tiefschlaf.

Einleitung: Das Gehirn im Halbschlaf

Haben Sie schon einmal erlebt, dass jemand mitten in der Nacht aufsteht, umherwandert oder laut schreit, am nächsten Morgen aber von nichts mehr weiß? Wir sprechen hier von NREM-Parasomnien. Dabei befindet sich das Gehirn in einem faszinierenden Grenzzustand: Die Bewegungszentren sind hellwach, während das Bewusstsein und das Gedächtnis noch tief schlafen.

Die drei Gesichter der NREM-Parasomnie

1. Schlafwandeln (Somnambulismus)

Der Schlafwandler richtet sich auf, verlässt das Bett und führt oft komplexe Handlungen aus – wie Türen öffnen oder sogar Kochen. Die Augen sind meist offen, aber der Blick ist starr und abwesend.

2. Nachtschreck (Pavor nocturnus)

Besonders bei Kindern bekannt: Der Betroffene schreckt mit einem gellenden Schrei hoch, wirkt panisch, schwitzt und hat extremes Herzrasen. Er ist in diesem Moment nicht ansprechbar und erinnert sich am Morgen an nichts.

3. Schlaftrunkenheit (Confusional Arousal)

Ein Zustand extremer Verwirrung beim Aufwachen. Die Betroffenen wissen nicht, wo sie sind, sprechen unklar und können teilweise sogar aggressiv reagieren, wenn man versucht, sie zu wecken.

Warum passiert das?

Parasomnien sind oft erblich bedingt und bei Kindern aufgrund der Hirnreifung sehr häufig. Bei Erwachsenen werden sie meist durch Trigger ausgelöst:

  • Schlafmangel: Führt zu einem tieferen "Rebound-Schlaf", aus dem das Gehirn schwerer erwacht.
  • Stress: Erhöht die nächtliche Erregbarkeit.
  • Andere Schlafstörungen: Eine unbehandelte Schlafapnoe kann Schlafwandeln durch die ständigen Weckreaktionen regelrecht provozieren.

Diagnostik: Sicherheit schaffen

In den meisten Fällen reicht die Schilderung der Partner aus. Bei häufigen Ereignissen oder Verletzungsgefahr ist eine Abklärung im Schlaflabor wichtig, um die Parasomnie von nächtlichen epileptischen Anfällen abzugrenzen.

Therapie: Ruhe bewahren

Die wichtigste Maßnahme ist die Sicherung der Umgebung: Fenster und Türen abschließen, Stolperfallen entfernen. Schlafwandler sollten nicht brüsk geweckt werden (Gefahr der Panikreaktion), sondern sanft zurück ins Bett geleitet werden.

Zusammenfassung

NREM-Parasomnien sind ein Zeichen dafür, dass das Umschalten zwischen Schlaf und Wachsein nicht reibungslos funktioniert. Mit guter Schlafhygiene, Stressabbau und – falls nötig – einer gezielten Behandlung im Schlaflabor lassen sich diese nächtlichen Ausflüge meist sehr gut in den Griff bekommen.

FAQ

Darf man Schlafwandler wecken?
Man 'darf', aber es ist meistens nicht klug. Der Schlafwandler ist extrem verwirrt und kann erschrecken oder aggressiv reagieren. Sanftes Zurückführen ins Bett ist die bessere Strategie.
Ist Schlafwandeln im Alter gefährlich?
Bei Kindern ist es meist harmlos. Wenn Schlafwandeln im hohen Alter plötzlich neu auftritt, sollte dies immer neurologisch abgeklärt werden, um andere Ursachen auszuschließen.
Helfen Medikamente gegen Nachtschreck?
Meistens ist keine medikamentöse Therapie nötig. Bei extrem hoher Frequenz können kurzzeitig Medikamente eingesetzt werden, die das Schlafstadium stabilisieren.
Was ist Sexsomnie?
Eine Sonderform der Parasomnie, bei der Betroffene sexuelle Handlungen im Schlaf vollziehen, ohne sich daran zu erinnern. Auch hierbei handelt es sich um eine medizinische Störung, die im Schlaflabor untersucht werden kann.
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