Einleitung: Losgelöst vom Sonnenlauf
Stellen Sie sich vor, Ihre innere Uhr geht jeden Tag eine Stunde nach. Nach zwei Wochen würden Sie nachts hellwach sein und tagsüber schlafen wollen. Genau das ist das Schicksal von Patienten mit dem Non-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndrom. Ihre innere Uhr ist nicht mehr mit dem 24-Stunden-Tag der Erde synchronisiert.
Wer ist betroffen?
Die Erkrankung trifft fast ausschließlich Menschen, die vollständig blind sind. Da ihnen die Lichtwahrnehmung fehlt, erhält das Gehirn nicht das tägliche Signal ("Reset"), um die innere Uhr auf 24 Stunden zu takten. In der Folge läuft die Uhr in ihrem eigenen Tempo "frei" – meist dauert ein biologischer Tag dann etwa 24,5 Stunden.
Ein wandelnder Jetlag
Patienten mit Non-24 durchlaufen Zyklen: Phasen, in denen der biologische Rhythmus zufällig mit der Nachtzeit übereinstimmt, wechseln sich ab mit Wochen schwerster Schlaflosigkeit in der Nacht und bleierner Müdigkeit am Tag. Dieser permanente "innere Jetlag" macht eine Teilnahme am sozialen Leben oft unmöglich.
Diagnostik: Das Muster erkennen
Die Diagnose stellen wir oft über ein sogenanntes Schlaftagebuch oder durch die Langzeitmessung mit Aktigraphen. Wir suchen nach dem charakteristischen Muster der täglichen Verschiebung des Schlafs.
Therapie: Den Rhythmus künstlich takten
Da das natürliche Licht als Zeitgeber fehlt, nutzen wir medikamentöse Signale:
- Melatonin-Rezeptor-Agonisten: Spezielle Wirkstoffe wie Tasimelteon können der inneren Uhr das fehlende "Nacht-Signal" geben und sie auf 24 Stunden festsetzen.
- Präzises Melatonin-Timing: Um die Uhr zu stabilisieren, ist eine exakte Einnahmezeit entscheidend.
Zusammenfassung
Non-24 ist eine schwere Belastung für blinde Patienten. Mit den richtigen chronobiologischen Ansätzen können wir jedoch helfen, den Rhythmus wieder zu stabilisieren und eine verlässliche Struktur in den Alltag zurückzubringen.


