Rhythmusstörungen

Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus

Verlust der Tagesstruktur: Wenn Tag und Nacht bei Demenz verschwimmen.

Einleitung: Das verschwommene Zeitgefühl

Beim Irregulären Schlaf-Wach-Rhythmus (ISWR) hat der Körper vergessen, wann Tag und wann Nacht ist. Statt eines festen Nachtschlafs verteilt sich der Schlaf in vielen kleinen Häppchen über die gesamten 24 Stunden. Man spricht auch von einem "zerstückelten" oder polyphasischen Schlaf.

Typische Ursachen

Diese Rhythmusstörung ist meist eine Folge von Veränderungen im Gehirn, insbesondere bei:

  • Demenz-Erkrankungen: Wie Alzheimer oder Parkinson-Demenz.
  • Hirnverletzungen: Die das "Uhren-Zentrum" (Hypothalamus) betreffen.
  • Fehlende Außenreize: Bei Bettlägerigkeit oder mangelndem Tageslicht (z.B. in Pflegeheimen).

Symptome: Die Belastung für Angehörige

Ein Patient mit ISWR ist tagsüber immer wieder schläfrig und nachts häufig wach und unruhig. Dies führt oft zu einer massiven Belastung für Pflegende, da eine durchgehende Nachtruhe kaum mehr möglich ist. Das "Nachtwandern" ist ein typisches Begleitsymptom.

Diagnostik: Das 24-Stunden-Profil

Um die Verteilung des Schlafs objektiv zu erfassen, nutzen wir im Schlaflabor Schrank oft die Aktigraphie. Dabei trägt der Patient einen kleinen Sensor am Handgelenk, der über Tage hinweg Aktivität und Ruhephasen aufzeichnet – ganz ohne Kabel und Stress.

Therapie: Zeitgeber verstärken

Das Ziel ist es, dem Körper das Signal für "Tag" und "Nacht" wieder neu beizubringen:

  • Licht als Anker: Maximale Helligkeit am Tag (am besten echtes Sonnenlicht!).
  • Soziale Aktivierung: Den Tag lebendig gestalten und Nickerchen nach Möglichkeit begrenzen.
  • Melatonin-Gabe: Als chemischer Anker am Abend, um die Nachtruhe einzuläuten.
  • Struktur: Feste Essens- und Weckzeiten geben zusätzliche Sicherheit.

Zusammenfassung

Ein irregulärer Rhythmus ist eine große Herausforderung für die Pflege. Doch durch eine konsequente Stärkung der "Zeitgeber" können wir helfen, wieder mehr Ruhe in die Nacht und mehr Wachheit in den Tag zu bringen.

FAQ

Warum geistert mein Angehöriger nachts im Haus herum?
Sein Gehirn hat den Rhythmus verloren. Die Nacht wird nicht mehr als Zeit der Ruhe erkannt. Das Ziel ist es, ihn tagsüber so weit zu aktivieren, dass der 'Schlafdruck' für die Nacht ausreicht.
Helfen Schlafmittel in diesem Fall?
Vorsicht! Bei Demenzpatienten erhöhen viele Schlafmittel die Sturzgefahr und können die Verwirrtheit noch steigern. Wir setzen lieber auf Rhythmus-Stabilisierung.
Kann eine Tageslichtlampe helfen?
Ja, sehr. Helles Licht am Vormittag (auch im Zimmer) ist einer der stärksten 'Anker' für die innere Uhr und fördert die Wachheit am Tag.
Wie viele Stunden schläft man bei ISWR?
Die gesamte Schlafdauer ist oft normal, aber sie ist über 24 Stunden zerstückelt (z.B. 4 mal 2 Stunden), was keine echte Erholung bietet.
WhatsApp
WhatsApp Kontakt
Start
Blog
Termin buchen
Kontakt